Procambarus virginalis

Der Marmorkrebs ist eine Besonderheit, leider nicht unbedingt positiv und gehört daher zu den verbotenen Arten in Deutschland

Trivialname: Marmorkrebs

Herkunft: unbekannt, Ursprungsform (Procambarus fallax) aus dem Südosten der Vereinigten Staaten

Kompletter Artname: Procambarus virginalis, Lyko 2017

Aussehen

Das äußere Erscheinungsbild ist durch die braungraue, beige Färbung recht unscheinbar. Hin und wieder gab es auch bläulichere Färbungen, die aber oft nach Umsetzungen verschwanden. Der obere Körper weist eine Marmorierung auf. Die erreichbare Größe wird mit 15cm angegeben, bei mir blieben die Tiere mit knapp 10cm deutlich kleiner. Beim Alter wird oft zwei Jahre als erreichbar genannt. Wie alt genau meine Tiere damals wurden, kann ich heute nicht mehr sagen, meine aber auch deutlich ältere Tiere gepflegt zu haben.

Haltung

Seit 2016 ist die Haltung des Marmorkrebs in Deutschland gesetzlich verboten. Da dieser Krebs ein enormes Verbreitungspotential aufweist, ist dieses Verbot meiner Meinung nach absolut berechtigt. Ich möchte daher auch hier absolut von der Haltung dieser Krebsart abraten.

Zur Haltung muss man bei diesem Krebs aber auch nichts sagen. Er kam bei mir mit allen Wasserverhältnissen bestens zurecht. Ich habe einmal ein Aquarium, in dem die Krebse vorher gelebt haben, sicherheitshalber aussortiert. Es war bis auf den Bodengrund leer. Es stand dann etwa einen Tag auf dem Balkon im Regen, bevor ich es mit dem Wasser in die Gartenhütte gestellt habe. Es waren vielleicht 10cm Wasser im Becken, eher weniger. Das Becken stand den Winter über in der Hütte, absolut unbeachtet. Keine Filterung, keine Fütterung, nichts. Im Frühjahr sollte das Becken dann entweder entsorgt oder anderweitig genutzt werden, genau weiß ich es nicht mehr. Zu meinem Erstaunen war aber in dem Becken ein recht großer Marmorkrebs, der bereits geschlüpfte Larven an den Schwimmbeinen trug. Ein einziges Tier in absolut weichem Wasser und widrigsten Bedingungen schaffte es nicht nur zu überleben, sondern auch sich noch zu vervielfältigen.

Noch etwas mehr Unachtsamkeit und die Krebse wären im Nachbarteich gewesen und von dort ist der Weg zum nächsten Gewässer per Vogeltaxi nicht weit. Der Marmorkrebs, bzw. heute politisch korrekter, die Marmorkrebsin ist eine tierische Splitterbombe. Das dieser Krebs ein potentieller Verbreiter der Krebspest ist, an der europäische Krebse sterben, kommt noch erschwerend hinzu.

Verhalten

Hier kann ich nur sagen, dass die Krebse von Tier zu Tier unterschiedliche Verhalten an den Tag legen. Manche sind recht friedlich gegenüber Artgenossen, lassen Pflanzen größtenteils in Ruhe und jagen andere Bewohner eher nur wenn sie wirklich in die Nähe kommen. Andere sind deutlich aggressiv gegenüber Mitbewohner, bauen das Becken permanent um und lauern anderen Bewohnern auf. Die meisten meiner Tiere gehörten aber eher zu ersten Kategorie.
Marmorkrebse sind Allesfresser. Übliches Flocken- oder andere Fischfutter wurden bei mir allesamt gern angenommen.

Vergesellschaftung

Bei mir waren die Krebse mit Guppys zusammen im Becken. Das klappte größtenteils problemlos. Ob die Krebse auch mal einen der Fische im fitten Zustand erwischt haben kann ich nicht sicher ausschließen. Im Bekanntenkreis wurden adulte Krebse mit Barschen gehalten. Das soll ebenfalls gut funktioniert haben. Allerdings kamen wohl trotz der Malawi-Barsche hin und wieder auch Jungtiere hoch. Gedacht waren die Krebse dort als Lebendfutterproduzenten. Mit Welsen ist die Vergesellschaftung nicht zu empfehlen. Das gilt aber für die meisten Krebse, da sich beide Gruppen halt den selben Wasserbereich teilen und Krebse dank ihrer Scheren doch im Vorteil sind. Die Welse sind daher oft Ziel von Attacken und dürften das als stressig empfinden.

Zucht

Da die Haltung verboten ist, ist natürlich auch die Vermehrung der Krebsart verboten. Verhindern lässt sich die Vermehrung nach meiner Erfahrung aber nicht.

Die Krebsart ist zur Jungfernzeugung fähig. Genaugenommen ist es die einzige Vermehrungsart die bei dieser Krebsart bekannt ist. Alle Marmorkrebse sind weiblich. Für die Vermehrung wird kein Männchen benötigt. Die Eier entwickeln sich ohne externe Befruchtung. Es schlüpfen wiederum nur Weibchen. Gern wird gesagt, dass die Nachkommen quasi Klone der Mutter sind. Da der Nachwuchs aber optisch variabel ist, also das Zeichnungsmuster der Krebse unterschiedlich ist, finde ich die Begrifflichkeit Klon nicht ganz passend. Ob das biologisch oder genetisch richtig ist, kann ich nicht beurteilen.

Pro Gelege sind ca. 100 bis 200 Eier zu erwarten – teilweise werden auch deutlich höhere Zahlen in Einzelfällen genannt. Die Eiablage erfolgt dabei in recht schnellen Intervallen. Alle zwei bis drei Monate trugen die Damen neue Gelege spazieren.

Fazit

Der Marmorkrebs ist für unsere einheimische Ökologie eine massive Bedrohung. Die enorme Vermehrungsrate in Verbindung mit der robusten Konstitution und die Bedrohung als potentieller Krebspestverbreiter sind eine Kombination die ein Verbot absolut rechtfertigen. Hier steht für mich tatsächlich der Schutz der einheimischen Tiere im Vordergrund und nicht die wirtschaftlichen Interessen einzelner Betriebe in einem Land der EU – aber natürlich auch, z.B. europäische Krebszuchtbetriebe.

Für mich sollte dieser Krebs weltweit nicht in der Aquaristik vorkommen. Als Forschungsobjekt dagegen dürfte der Krebs ein interessantes Studienprojekt sein.

Weiteres

Wo und wie der Marmorkrebs sich entwickelt hat ist unklar. Als Aquarienbewohner wurde er bereits um 2005 in Deutschland gehandelt. Das diese Art wirklich extrem invasiv ist, zeigen mehrere freilebende Populationen auch in Deutschland.

Generell sollte man keine lebenden Tiere über die Toilette entsorgen. Bei den Marmorkrebsen verbietet sich das gleich doppelt. Lebende Tiere dürfen keinesfalls in die unkontrollierte “Freiheit” entkommen.

Der Fachbegriff für die Jungfernzeugung lautet Parthenogenese.

In Heft 6 (Erscheinungsdatum 2008) gibt es einen Artikel zum Marmorkrebs von Monika Rademacher. Natürlich ist dieser Artikel heute veraltet, da der Krebs nicht mehr gehalten werden darf. Interessant ist er aber nach wie vor. Mir ist kein ausführlicherer Bericht zu der Haltung der Tiere bekannt.

Weitere externe Links:

Marmorkrebse (DRTA)
Marmorkrebs (wikipedia)

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