Blueberry Schnecke

Wissenschaftlicher Name: Notopala sp. “Blueberry”

Verschiedene Namen und Formen

Derzeit werden im Handel leicht verschieden gefärbte Schnecken mit einem blauen Körper angeboten. Dabei werden die Schnecken als Notopala sp. “Blueberry” oder als Filopaludina sp. “Blue Orange spotted Leopard” angeboten. Die Ähnlichkeit bei beiden Varianten ist sehr hoch.

Nachdem ich zwei Schnecken als Filopaludina sp. erworben hatte, habe ich nach Informationen zu den Schnecken gesucht und nur wenig gefunden. Vor allem interessierte mich die Abgrenzung zur Notopala sp.

Das Foto zeigt eine der beiden von mir erworbenen Schnecken. Die Blueberry soll ein helleres, leicht rötliches Gehäuse haben und etwas weniger, dafür etwas größere orangene Flecken haben. Die Gehäuseform ist scheinbar identisch, beide haben einen Deckel.

Von unten sind meine Tiere mit vielen orangenen Flecken gezeichnet, während dies bei der Blueberry deutlich weniger sein soll. Trotzdem kamen mir die Bilder die ich von den Schnecken von anderen Haltern beider Varianten gesehen habe, immer nahezu identischn vor.

Viel Suche im Internet und einige Posts bei Facebook brachten mir kaum weitere Erkenntnisse. Irgendwann antwortete Ulli Bauer auf einen meiner Posts und brachte etwas Licht ins Dunkle. Chris Lukhaup hatte die Schnecken zusammen mit Thomas von Rintelen untersucht und beide Formen einer gemeinsamen, aber noch unbestimmten Art zugeordnet. Die Gattung bestimmten sie als Notopala sp. Demnach handelt es sich bei den Varianten nur um Standortvarianten einer Art.

Meine Schnecken haben auch bereits Nachwuchs entlassen. Schaut man sich die Kleinen genau an, erkennt man Details die die Zuordnung von Chris zu einer Art stützen.

Größe ca. 5mm

Bei diesem maximal zwei Wochen altem Jungtier erkennt man eine deutlich hellere Gehäusefärbung und die orangenen Flecken erscheinen weniger und größer. Von unten zeigt der Fuss noch kaum orangene Punkte.

Größe ca. 5mm

Wie man die Tiere schlussendlich zuordnet muss eine wissenschaftliche Bestimmung zeigen, an der wohl bereits gearbeitet wird. Ich werde solange der aktuellen Expertise folgen und die Schnecken als Notopala sp. bezeichnen.

Welchen Trivialnamen man verwendet hängt jetzt von der Ansicht ab, ob es wirklich zwei Varianten sind oder ob es eine Form ist, die nur variabler im Muster ist. Im Endeffekt ist der Trivialname erstmal gar nicht so wichtig. Nach Ansicht meiner Jungtiere tendiere ich zu einer Variante und der Einfachheithalber nenne ich sie Blueberry.

Wer beide Varianten hält, sollte allerdings davon ausgehen, dass beide Formen sich miteinander vermehren können. Möchte man beide Varianten erhalten, ist eine getrennte Haltung anzuraten. Interessant wird dann ob die Nachwuchstiere beider Varianten auch die Färbungen ihrer Elterntiere behalten oder nicht, also ob Unterschiede zwischen den Stämmen erhalten bleiben.

Noch habe ich keine Tiere der “Blueberry”-Variante und daher auch keine Fotos. Sollte sich das ändern, werde ich das hier einfügen. Auch wenn ich weitere Erkenntnisse erlangen sollte, werde ich das hier einfügen.

Auf jeden Fall hat/haben diese Schnecke/Schnecken ein enormes Potential innerhalb der Aquaristik. Die Zukunft wird zeigen, wie die Pflegbarkeit ist.

Bei den ersten Importen der “Blueberry”-Variante waren nach Berichten diverser Halter nur selten eine dauerhafte Haltung im Aquarium zu erzielen. In den meisten Fällen starben die Tiere innerhalb weniger Wochen. Dies soll bei den derzeit erhältlichen Tieren anders sein. Teilweise wird schon von im Aquarium geschlüpften Jungtieren berichtet. Bei meinen Tieren scheint die Haltung relativ problemlos zu sein. Ich halte die Tiere bei einem pH-Wert von 7,5 und ca. 22°C. Ich füttere Laub, Staubfutter und hin und wieder Gurke, Zuccini oder Paprika. Außerdem gibt es natürlich auch geringen Algenaufwuchs in dem Aquarium.

Für eine nahe Verwandtschaft der Schnecken spricht auch die Gleichzeitigkeit des Auftauchens im Hobby. Zwei blaue Formen die gleichzeitig im Hobby auftauchen sind schon ein enormer Zufall. Aber natürlich auch nicht unmöglich.

Im Grunde ist die Diskussion aber unnötig. Der Entdecker – zumindest für die hiesige Aquaristik – heißt Chris Lukhaup. Er selbst bezeichnet die verschiedenen Varianten als Standortvarianten einer Art. Wenn er also die Schnecken nach einer Untersuchung als gleiche Art bezeichnet, sollte das erstmal ausreichen. Wie man die Tiere im Trivialnamen bezeichnet entscheidet ja erstmal jeder Importeur. Man bekommt Tiere mit einer wissenschaftlichen Bezeichnung und muss einen deutschen Namen angeben. Importeur 1 nennt die Tiere Blue Berry, Importeur 2 kennt den Namen von Importeur 1 nicht, oder meint duch gewisse Unterschiede eine andere Sorte vor sich zu haben und gibt ihr den Namen Blue Orange spotted Leopard. Das Schnecken oft sehr variabel in ihren Gehäuse- und Körperfärbungen sind, kennen wir von den Rennschnecken, Posthornschnecken und natürlich den legendären Apfelschnecken.

Ein Beispiel, dass z.B. Rennschnecken bei Änderung der Bedingungen komplett anders gefärbt sein können:

Vorne sieht es nach einer Zebra-Rennschnecke aus, hinten Orange Track. Die Schnecke ist genauso gewachsen.

Haltung

Ich halte die Schnecken auf Dinslakener Leitungswasser, dass heißt ca. KH 8 und pH etwa 7,8. Das scheint gut zu funktionieren. Die Temperatur liegt derzeit bei 22°C. Da würde ich aufgrund der Herkunft etwas wärmer, also ca. 25°C empfehlen. Bei mir sitzen die Tiere noch im ungeheizten Quarantänebecken.

Als Bodengrund würde ich Sand empfehlen. Bei mir graben sie sich schon mal ein, was aber im Basaltsplit nicht so gut funktioniert.

Vermehrung

Die meisten Halter berichten von Nachwuchserfolgen direkt in den ersten Wochenenden nach dem Einsetzen. Auch bei mir konnte ich schnell mehrere Jungtiere entdecken. Diese sind deutlich aktiver als die adulten Schnecken. Auch nach einigen Wochen tauchten immer mal neue Nachwuchsschnecken auf.

Nach meinen Informationen sind die Schnecken getrenntgeschlechtlich. Männchen haben einen erkennbar dickeren Fühler auf einer Seite. Da ich mir relativ sicher bin nur zwei Weibchen gekauft zu haben, gehe ich davon aus, dass die Schnecken entweder zur Vorratsspeicherung von Spermien fähig sind oder zur Selbstbefruchtung. Ich tippe da auf die Vorratsspeicherung.

Die Entwicklung der Jungtiere geschieht im Gehäuse der Mutter und die Babies werden lebend in einer Hülle entlassen. Oft wird die Schnecke als lebendgebärend bezeichnet. Ganz genau genommen sind die Schnecken aber ovovivipar – also ein Zwischending zwischen eierlegend und lebendgebärend. Da die Eihülle aber direkt nach der Geburt aufbricht ist der Begriff lebendgebärend sicher verständlicher. Was mit der Hülle passiert konnte ich noch nicht beobachten.

Ein etwa ein oder zwei Wochen altes Jungtier.

Morphologie

Nachdem jetzt eine der adulten Schnecken gestorben ist, habe ich mal geschaut was ich da mit dem Mikroskop erkennen kann.

Das Gehäuse hat 5 Windungen. Höhe und Breite liegen hier bei etwa 10mm und die Länge beträgt 15mm

Die Öffnung ist relativ ähnlich breit wie lang, ungefähr 9 bis 10mm.

Der Deckel verschliesst die Öffnung recht passend. Wie man gut erkennen kann ist der Deckel zumindest teilweise bernsteinfarben transparent.

Der eigentliche Körper war schon im Verwesungszustand. Der Geruch, der von dieser kleinen Schnecke ausging, nachdem ich den Deckel entfernt hatte, war wirklich enorm. Die Bilder die ich gemacht habe, sind aber da nicht so gut geworden und wenig aussagekärftig. Interessant fand ich, dass das nächste Jungschneckengehäuse bereits fertig war. Drin war allerdings nichts mehr. Die Länge des Gehäuses lag bereits bei 3 bis 4mm. Das find ich schon relativ groß.