Zuchtregal bauen

Der Bau und die Auslegung meines neuen Zuchtregals.

Regalbau und Auslegung

Zuchtregale zu bauen ist ja erst einmal nicht schwierig. Meist wird nach Gefühl gebaut. Frei nach dem Kölner Motto “Et is noch immer jut jejange”.

Meist ist das auch tatsächlich der Fall. Die Belastbarkeit moderner Decken ist sehr hoch und die verwendeten Konstruktionen “nach Gefühl” auch deutlich stabiler als notwendig.

Auch ich bin bei der Planung meines neuen Zuchtregals ähnlich vorgegangen, zumindest zunächst. Dann wollte ich den zur Verfügung stehenden Platz aber doch etwas besser ausnutzen, als zunächst geplant. Statt sechs 54 Liter-Becken und einigen kleineren Aquarien, sollen in der letzten Ausbaustufe dann achtzehn 54-Becken möglich sein, plus ein wenig Ablagefläche oben drauf. Ob es tatsächlich mal 18 Becken werden, bleibt abzuwarten.

Der erste Testlauf – Geduld ist nicht meine Stärke

Also doch mal etwas nachrechnen. Schadet ja nicht.

Kurzer Hinweis: Dies ist nur die Erläuterung, wie ich es gerechnet habe. Es besteht immer die Möglichkeit, dass ich irgendwo einen Fehler gemacht habe. Wer also ähnliche Regale bauen möchte, muss selbst ermitteln ob die Tragfähigkeit gegeben ist.

Belastbarkeit Decke

Ein 54-Liter Aquarium mit 4mm Glas wiegt mit Füllung ca. 60kg, je nach Kieshöhe und Steindeko. Also liegen 18 der kleinen Aquarien bei ca. 1100 kg. Mit dem Konstruktionsholz und den genutzten Ablageflächen kommen ca. 1500kg zusammen. Diese verteilen sich auf eine Grundfläche von 1,2m². Bedeutet eine Quadratmeterbelastung von 1250kg/m².

Das klingt schon relativ viel. Schaut man dann mal was so eine Betondecke tragen können muss, sind die Angaben mit 150 bis 200 kg/m² Punktbelastung deutlich darunter. Nun hätte ich natürlich die Pläne raussuchen können, um herauszufinden, was meine Decke tragen können sollte, aber ich habe mich entschieden, die Geschichte logisch zu beurteilen.

Eine Betondecke trägt am Rand, also zu tragenden Mauerelementen, mehr als in der Mitte. Bereits dieser Fakt sollte in meinem Fall ausreichen, da mein Regal in einer Ecke von zwei tragenden Mauern hingestellt wird. Hinzu kommt die Lastverteilungswirkung des verbauten Laminats. Ich habe einen sehr stark verdichteten Laminat mit 10mm Stärke mit der Nutzungsklasse 33 verbaut, der feuchtraumgeeignet ist. Dieser darf sogar in Industriegebäuden mit Fahrzeugnutzung verbaut werden. Sollte also mit dem Gewicht klarkommen.

Um aber ganz sicher zu gehen, verschraube ich das Regal mehrfach mit den beiden Wänden. Somit wird der Boden weiter entlastet. Eine Überbelastung des Bodens ist nach meiner Einschätzung damit sicher ausgeschlossen.

Belastbarkeit senkrechte Latten

Aber trägt mein Regal auch die Last der Aquarien? Hier schauen wir mal in die entsprechenden Tabellen. Ich verbaue einfaches Fichte/Tanne-Holz. Nach den entsprechenden Tabellen verträgt dieses Holz eine Druckbelastung von 17 Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²). Hinten verbaue ich Latten mit 24*44mm und vorne 24*75mm. Nehmen wir nur die Kleinere zur Berechnung:

24*44 ergibt 1056mm² und somit eine Belastbarkeit von 17952 N. In kg bedeutet das rund 1831kg. Ich habe 7 dieser Balken und 7 der breiteren Variante eingesetzt. Durch die komplette Verschraubung des Regals, erreiche ich eine sehr hohe Versteifung und Lastverteilung. Die senkrechten Balken sollten also mit der maximalen Belastung von 1500kg spielend zurecht kommen. Vor allem da ja jeder Balken nur mit einem Teil der Last von maximal 6 Aquarien (näherungsweise) zurechtkommen muss und nicht der gesamten Last.

Belastbarkeit pro Fach

Jedes Aquarium in diesem Regal wird von zwei Lattenstücken getragen, die an die senkrechten Latten geschraubt wurden. Das bedeutet die Last von ca. 60kg lastet voll auf den Schrauben. Die Scherkräfte bei einer Holz zu Holz Schraubverbindung müssen also von den Schrauben aufgefangen werden. Auch hierzu gibt es entsprechende Tabellen, die die maximale Belastbarkeit der Schrauben angeben. Bei meinen Schrauben waren es etwa 1,4 kN, also gut 140 kg. Verbaut pro Latte sind drei Schrauben, macht pro Aquarium 6 Schrauben. Auch hier sollte also genügend Sicherheit vorhanden sein.
Diese Berechnung ist etwas vereinfacht. Genaugenommen sind 7 Querlatten für 6 Aquarien verbaut. Das bedeutet, dass die 5 mittleren Querlatten jeweils ca. 50% von zwei Aquarien tragen. Bei 60kg Aquariengewicht also 2*30kg=60kg Gesamtmasse auf 3 Schrauben. Da bereits eine Schraube diese Masse sicher tragen kann, ist auch das kein Problem. Die Belastung wird dabei nicht gleichmäßig auf die drei Schrauben verteilt, da die Verteilung der Schrauben unterschiedlich ist. Man kann aber durchaus von einer Maximalbelastung von etwas mehr als 30kg pro Schraube ausgehen.

Zusammenfassung Belastbarkeit

Die maximale Belastbarkeit pro Fach wären rein rechnerisch 840kg. Belastet wird mit deutlich unter 100kg. Die senkrechten Latten tragen 14 mal 1800 kg. Bei relativ gleichmäßiger Belastung wie im Falle einer Aquarienwand verteilen sich also 1500kg auf 14 Latten, somit ca. 110 kg pro Latte. Ein Teil dieser Last wird über die Wandverschraubungen direkt in die Wand geleitet.

Eine Überlastung sollte also sicher ausgeschlossen sein. Die höchste Gefahr sehe ich bei dem Laminat. Hier könnte es zu Quetschungen des Materials kommen und somit zu leichten Absenkungen. Die Punktbelastung der senkrechten Latten, erzeugt halt trotz der hohen Verteilung recht hohe Lasten auf sehr kleinen Flächen. Durch die Verwendung von industriell befahrbarem Laminat sollte diese Gefahr minimal ausfallen.

Montage

Bevor es an die Montage geht, sollte über die Umgebung nachgedacht werden. Das mein Laminat feuchtraumgeeignet ist, heißt natürlich nicht, dass dieser Bodenbelag ideal für ein Aquarienzimmer ist. Ideal wäre ein Boden mit einem Ablaufgully. Das kann ich in diesem Zimmer aber nicht bieten. Da der Raum hauptsächlich als Hobbyzimmer für meine Frau und mich gedacht ist, wollte ich es recht gemütlich haben. Daher kamen auch Fliesen nicht in Frage. Also Feuchtraumlaminat oder Vinyl. Da ich Vinyl nicht so gut finde, war die Entscheidung nicht schwer.
Die Wand hinter einem Zuchtregal mit normaler Tapete zu versehen, war nicht meine beste Entscheidung. Eigentlich war mir das sogar vorher klar, aber meine Ungeduld hat gesagt: “Egal”
Besser wäre es gewesen, diesen Wandabschnitt mit schwarzer wasserfester Latexfarbe zu streichen. Vor allem das Streifenmuster (dass mir ansonsten gut gefällt) ist bei Aquarien ohne Folie am Ende eher ungünstig. Nun gut, dass lässt sich aber mit Mattenfiltern, die über die gesamte Aquarienbreite gehen, in den Griff bekommen.

Der Zuschnitt des Lattengerüsts ist sehr einfach. Sowohl die senkrechten Latten, als auch die langen Querlatten sind genau 2m lang und müssen somit gar nicht gekürzt werden. Nur die 60,5cm langen Trägerlatten sind aus 2m Latten zu sägen. Pro Etage benötigt man 7 dieser Trägerlatten, also für 3 Etagen und Oberseite genau 28 Stück.

Der Zusammenbau startet mit der Anschraubung der ersten zwei senkrechten Latten an die Wand. Dann legt man die Höhe des untersten Fach fest (bei mir knapp 40cm) und montiert die erste Trägerlatte. Hier ist wichtig, dass man diese möglichst perfekt in Waage bringt. Eine schiefe Latte bewirkt später ein schief aufgestelltes Becken. Ein schief aufgestelltes Aquarium bewirkt eine Verschiebung der gleichmäßigen Belastung.

Als nächstes wird die Querlatte an der anderen Wand angeschraubt. Auch hier ist die Wasserwaage unbedingt notwendig. Mit diesen jetzt montierten Latten kann man die weiteren Latten nach und nach anschrauben. Die wichtigsten Werkzeuge sind hier ein Zentimetermaß und die Wasserwaage. Jedes Fach wird dabei 30,5cm breit und 60cm tief. Als Höhe habe ich ca. 50cm genommen. Das oberste weicht etwas ab. Da habe ich die 2m der Latten als Maß genommen. Zusätzlich habe ich als Bodenlatte noch eine Latte in die Mitte jeder Etage geschraubt. Diese dritte Latte ist nicht unbedingt notwendig, erleichtert jedoch das Reinstellen der Aquarien.

Durch die vielen senkrechten und waagrechten Latten und deren Verschraubung, auch mit der Wand, wird das Regal sehr steif. Es wackelt in keiner Weise und wirkt extrem stabil.
Als Oberseite verwende ich übrig gebliebenen Laminat, den ich mit der oberen, also der schönen Seite nach unten aufschraube.

Der derzeitige Stand Mitte April 2023 sind jetzt 6 befüllte Becken, wovon 4 mit Schnecken und Fischen besetzt sind. Wer das obere Foto genauer betrachtet, wird bemerken, dass ich bei Ikea war. Ikea und Aquaristik ist etwas, was recht gut zusammen passt. Das werde ich aber in einem eigenen Artikel noch genauer ausführen. Im Moment teste ich das Anbringen verschiedener Sichtblenden über den Becken.

Technik

Elektrik

Die Elektrik eines Zuchtregals ist immer etwas heikel. Wasser und Strom ist eine Kombination die mit Vorsicht betrachtet werden sollte. Jeder Aquarianer weiß aber, dass man für den Betrieb von Aquarien fast immer Strom benötigt. Das ist bei mir nicht anders. Ich benötige Steckdosen für die Beleuchtung, für den Luftkompressor und für eventuell zu nutzende Heizer.

Idealerweise verwendet man dafür Aufputzsteckdosen, die fachgerecht montiert werden. Da ich unter anderem auch Elektriker bin, ist das bei mir kein Problem. Trotzdem habe ich nach Alternativen gesucht. Nicht jeder ist Elektriker und die Beauftragung eines Handwerkers in der heutigen Zeit nicht nur teuer, sondern kaum zu bekommen. Zudem ist die Verkabelung von so vielen Steckdosen eine nervende Arbeit. Fündig geworden bin ich bei IKEA. IKEA bietet ein steckbares Steckdosensystem an. Dieses System kann bis zu 10 Steckdosen pro Strang versorgen und ist sehr flexibel. Leider ist es nicht anschraubbar. Etwas teurer, ab dafür anschraubbar ist ein steckbares Steckdosensystem von Schulte Elektrotechnik. Dieses System ist für die einfache und schnelle Montage ideal.

Damit kann auch ein Laie eine flexible Stromversorgung gewährleisten.

Folgende Sicherheitshinweise möchte ich aber noch hinzufügen:

  • An jede Wandsteckdose darf nur ein Strang angeschlossen werden. Mehrere Stränge ineinander zu stecken ist nach VDE nicht erlaubt.
  • Seit einiger Zeit müssen alle Steckdosen, die von Laien bedient werden können (also eigentlich alle), über RCD-Schalter (früher FI-Schalter) abgesichert sein. Das macht gerade bei Aquarienanlagen besonders Sinn. Ist das bei euch noch nicht der Fall, solltet ihr das definitiv nachrüsten lassen. Für mich aus Sicherheitsgründen für das eigene Leben (und etwaiger Familienmitglieder) absolut alternativlos.

Beleuchtung

Die Beleuchtung ist je nach Nutzung mehr oder weniger notwendig. Für die ersten 4 Becken habe ich eine LED-Leiste angeschraubt die bei mir noch vom 240Liter Becken übrig war. Man kann auch einfache LED-Leisten aus dem Baumarkt verwenden. Wer auch Pflanzen pflegen möchte, greift auf etwas bessere Leuchten zurück. Hier kommt es immer auf die gepflegten Pflanzen an.
Für die nächsten zwei Becken habe ich auf eine Eheim classic LED eingebaut. Diese passen sehr gut über meine Querhölzer, da sie sehr dünn ist. Preislich liegen die Leuchten im Mittelfeld. Leistungstechnisch allerdings auch.

Filterung

Um die Filterung möglichst einfach zu gestalten und auch den Strombedarf, vor allem die Steckdosenanzahl, zu begrenzen, filtere ich alle Becken mit Luftheber. Dazu wird oben auf dem Regal ein größerer Kompressor installiert werden, der dann eine Ringleitung oder mehrere Druckdosen versorgen soll. Im Moment sind noch nicht genügend Aquarien eingesetzt, dass sich der große Kompressor lohnt.

Wichtig ist, die Luftpumpe auf eine Schaumstoffmatte zu stellen. So entkoppelt man die Pumpe von dem Regal. Die Vibrationen übertragen sich nicht mehr, bzw. so gut wie nicht mehr, auf das Holz. Das bewirkt eine deutliche Reduzierung des Brummens. Vor allem überträgt sich das Brummen nicht mehr in andere Räume oder Wohnungen.

Nachteile

Natürlich hat fast alles im Leben nicht nur Vorteile. Auch mein Zuchtregal hat gewisse Nachteile, die ich keinesfalls verschweigen möchte.

Dadurch, dass ich sehr viele Becken auf kleinsten Raum untergebracht habe und die Aquarien längs eingebaut habe, ist die Pflege manchmal etwas umständlich. In einem der Aquarien habe ich Blaualgen, und das Absaugen an der hinteren Wand ist schon mühselig. Das war mir vorher zwar schon klar, nervt jetzt aber trotzdem.

Die Beleuchtung mit nur einer LED-Leiste über den Becken ist für anspruchsvollere Pflanzen natürlich nicht geeignet. Zusätzlich ist mir die Beleuchtung im vorderen Bereich bei manchem Becken zu gering. Das Eck-Keilbecken benötigt da definitiv noch eine Zusatzbeleuchtung. Das ist aber mit wenig Aufwand nachrüstbar.

Da mein Bad, also die Wasserzapfstelle recht weit entfernt ist und ich ausschließlich mit Osmose-Wasser arbeite, ist das Wasserwechseln nicht optimal. Auch dieses Problem war mir vorher bewusst und ist als notwendiges Übel halt so. Empfehlenswert wäre trotzdem ein direkter Wasseranschluss und idealerweise sogar ein Bodenablauf. Bei mir aber nicht umsetzbar – zumindest nicht ohne immensen Aufwand, sowohl arbeits-, als auch kostentechnisch.

Ich werde diesen Artikel immer wieder aktualisieren und meine Erfahrungen in jeglicher Hinsicht vermerken, damit jemand der vielleicht ähnliches plant daraus seine eigenen Schlüsse ziehen kann.