Mittel gegen Planarien
Planarien sind bei Garnelenhalter ein Dauerthema. Immer wieder werden neue Mittel empfohlen
Inhaltsverzeichnis
Es gibt mehrere hundert verschiedene Planarienarten. Die meisten sind eher Aasfresser, bzw. sehr kleine andere Tiere und stellen nur eine geringe Gefahr für übliche Aquarienbewohner da. Es gibt aber auch ein paar räuberische Arten, die tatsächlich für gesunde Garnelen gefährlich werden können.

Nicht immer ist also zwingend eine Bekämpfung der Planarien notwendig, aber meist möchten die Halter so oder so die unerwünschten Würmer loswerden. Dann beginnt die Suche nach einem geeigneten Mittel. Und dabei tauchen mehrere Probleme auf.
Probleme
Problem 1: Wirkung
Die Anzahl der Arten bedeutet, dass Mittel durchaus unterschiedlich wirken können. Jede Art hat eigene Bedingungen. Dazu gehören nicht nur Körperlänge, Gewicht usw. sondern auch die Verträglichkeit von Giftstoffen. Daher wirken manche Mittel bei Nutzer 1 wunderbar und bei Nutzer 2 quasi überhaupt nicht.
Problem 2: Schnecken
Planarien sind hinsichtlich der Empfindlichkeit gegenüber Bekämpfungsmitteln sehr ähnlich zu Schnecken. Daher wirken alle mir bekannten Mittel auch gegen die meisten Aquarienschnecken. Wer also Schnecken hält und behalten möchte, kommt nicht umher die Schnecken umzuquartieren. Dabei besteht aber die Gefahr Planarien mit umzusetzen.

Problem 3: Bezugsmöglichkeiten
Manche der Mittel sind in der EU nicht zugelassen oder in Deutschland legal nur über den Tierarzt zu bekommen. Diesen zusätzlichen Aufwand möchten viele Halter von Garnelen nicht auf sich nehmen.
Problem 4: absterbende Biomasse
Wenn die Behandlung erfolgreich ist, kann es durch die absterbenden Planarien zu einer hohen Belastung im Aquarium kommen. Durch die Verwesung kann u.a. Ammonium/Ammoniak und Nitrit ansteigen und die Aquarienbewohner schädigen. Ebenso kann die Keimbelastung durch pathogene Bakterien massiv ansteigen. Im schlimmsten Fall kann das zum Komplettausfall des Besatzes führen. Das gilt für alle Mittel. Um dieses Problem zu reduzieren, muss man vor der Behandlung die Planarien reduzieren. Dazu fängt man über min. eine Woche mit Planarienfallen möglichst viele der Würmer raus, bevor man mit der Behandlung beginnt.

Mittel
Alle Mittel fallen erst einmal unter die Biozidverordnung, da sie dazu dienen lebende Organismen zu töten. Um das Thema also möglichst umfassend anzugehen, muss man sich auch etwas mit dieser Verordnung beschäftigen. Die Verordnung gilt allerdings nur für Produkte. Das bedeutet, dass sie von jemandem als Mittel gegen Organismen hergestellt und an jemanden anderen weitergegeben sein müssen.
Die EU-Verordnung drückt es noch umständlicher aus:
jeglichen Stoff oder jegliches Gemisch in der Form, in
der er/es zum Verwender gelangt, und der/das aus einem
oder mehreren Wirkstoffen besteht, diese enthält
oder erzeugt, der/das dazu bestimmt ist, auf andere Art
als durch bloße physikalische oder mechanische Einwirkung
Schadorganismen zu zerstören, abzuschrecken,
unschädlich zu machen, ihre Wirkung zu verhindern
oder sie in anderer Weise zu bekämpfen;
Um es kurz zu formulieren: Jedes chemische oder biologische Mittel, dass zur Bekämpfung irgendwelcher Organismen dient, fällt unter die Biozidverordnung.
Flubenol und Panacur
Diese Produkte sind die wirksamsten Mittel gegen Planarien. Es handelt sich dabei allerdings um verschreibungspflichtige Medikamente, die nicht für die Nutzung im Aquarium vorgesehen ist. Es handelt sich um Mittel die bei Säugetieren gegen Würmer im Körper eingesetzt werden.
Somit muss man einen Tierarzt finden, der sich genügend mit Aquaristik auskennt um das Mittel für diesen Nutzen zu verschreiben. Nicht jeder Tierarzt macht das.
Die Biozidverordnung ist außen vor, da hier dass Arzneimittelgesetz gilt.
Das Problem 1 kommt hier nicht vor. Diese Mittel wirken sehr effektiv gegen alle bekannten Süßwasser-Planarien.
Problem 2 tritt hier sehr massiv auf. Viele Schneckenarten überleben die Behandlung nicht und teilweise bleibt das Becken bis zu einem Jahr für Schnecken tödlich. Selbst Posthornschnecken, die aufgrund ihres anderen Sauerstofftransports im Blut unterscheiden, haben hohe Ausfallraten.
Problem 3 ist hier offensichtlich. Die Mittel sind zwar zugelassen, aber man kann sie legal nur über den Tierarzt bekommen.
Freiverkäufliche Mittel
Hier muss ich gleich einschränken. Es gibt keine freiverkäuflichen Mittel, aber es gibt durchaus Mittel zu kaufen. Allerdings fallen alle diese Mittel unter die Biozidverordnung. Das bedeutet, dass bereits der Wirkstoff, ebenso wie das Produkt selbst, zugelassen sein müssen. Außerdem muss der Verkäufer eine entsprechende Sachkunde haben und ein Abgabegespräch führen.
Das ist bei allen mir bekannten Anti-Planarienprodukten meines Wissens nach nicht gegeben. In erster Linie erhält man solche Produkte die Bethelnuss als Wirkstoff angeben. Bereits das ist eine ungenaue Angabe, da nicht die Bethelnuss selbst die Wirkung erzielt, sondern die darin enthaltenden Alkaloide.
Schon aufgrund der ungenauen Angabe des Wirkstoffs wäre eine Zulassung solcher Biozidprodukte in der EU unmöglich.
Das bedeutet, dass der Verkauf dieser Mittel in der EU nicht legal ist. Trotzdem kann man sie nach wie vor problemlos kaufen. Das ist natürlich ein Widerspruch. Es erklärt sich dadurch, dass diese Produkte nur eine kleine Nische betreffen und daher bei den Behörden nicht bekannt sind. Bei der Einfuhr wird es als pflanzliches Produkt für Aquarien deklariert. Es fällt also quasi durch das Raster.
Das Hauptproblem ist allerdings nicht die Kaufbarkeit, sondern die schwankende Wirkstoffkonzentration. Jede Bethelnuss enthält etwa zwischen 0,3 und 0,6% Alkaloide. Das bedeutet, dass die tatsächliche Wirkstoffkonzentration um das Doppelte schwanken kann. Das kann also funktionieren, aber manchmal sind diese Produkte einfach nur wirkungslos und bei anderen haut es das ganze Becken weg. Man sollte das nicht unterschätzen, da Bethelnuss im südostasiatischen Raum auch als Rauschmittel beim Menschen eingesetzt wird. Es gilt als vierthäufigst konsumierte Droge (nach Alkohol, Nikotin und Kaffee) der Welt. Für uns hier kaum zu glauben, aber in Südostasien ist die Verbreitung enorm hoch. Hinzu kommt eine krebserregende Wirkung.
Nur weil natürlich draufsteht bedeutet halt nicht, dass es harmlos ist.

Ich selbst habe keins dieser Produkte bisher je getestet, aber zahlreiche Berichte von Aquarianern gelesen. Mir ist das Risiko aufgrund der ungenauen Dosierbarkeit zu hoch.
Und um es nochmal klar zu sagen: Das Verkaufen solcher nicht zugelassenen Produkte ist in der EU illegal. Es verstösst gegen die VERORDNUNG (EU) Nr. 528/2012 und in Deutschland auch gegen die ChemBiozidDV.
Problem 1 ist hier also noch deutlich verstärkt.
Problem 2 wird damit ebenfalls nicht vermindert. Die Hersteller der Produkte schreiben eindeutig, dass die Mittel auch gegen Schnecken wirken.
Problem 3 ist klar: Nicht zugelassen
Knoblauch
Kommt jetzt das ultimative Mittel? Als Lebensmittel frei verkäuflich, fällt daher auch nicht unter die Biozidverordnung.
Die Antwort ist leider Nein. Knoblauch ist in der Wirksamkeit ebenso schwankend wie Bethelnuss-Produkte. Manche Planarienarten scheinen auch eine höhere Resistenz gegenüber dem Wirkstoff Allicin des Knoblauchs zu haben.

Bei meinen Versuchen habe ich eine 100%ige Wirksamkeit gehabt. Ich habe also tatsächlich alle lebenden Planarien damit beseitigen können. Berichte von anderen Aquarianern zeigten jedoch auch weniger wirksame Ergebnisse.
Schnecken reagieren auch auf Knoblauch. Blasenschnecken in meinem Test versuchten das Aquarium zu verlassen. Ob andere Schnecken stärker oder weniger betroffen wären, habe ich nicht getestet. Es ist meiner Ansicht nach allerdings wahrscheinlich, dass Knoblauch in höheren Konzentrationen ebenso tödlich für viele Schnecken ist, wie die anderen Mittel.
Ein weiterer gravierender Nachteil ist der Geruch. Obwohl ich sehr gern Knoblauch esse, war der Geruch sehr belastend. Im Haus kann ich die Nutzung als Planarienmittel wirklich nur sehr geruchstoleranten Menschen empfehlen.
Problem 1 ist hier demnach deutlich gegeben.
Problem 2 ist sehr wahrscheinlich
Problem 3 gibt es hier nicht

Weitere Mittel
Es gibt noch einige weitere Möglichkeiten. Dazu gehört die Zugabe von Säuren um den pH-Wert zu senken, oder kupferhaltige Algenmittel.
Diese Mittel funktionieren, sind aber auch tödlich für Garnelen.
Alle weiteren mir bekannten Mittel und Methoden sind meiner Ansicht nach ungeeignet. Daher führe ich sie hier nicht auf.