Hydra

Hydren sind erstaunliche Lebewesen, die manche Garnelenhalter in Angst und Schrecken versetzen. Berechtigt?

Grüne Hydra

Wissenschaftlicher Name: Hydra viridissima

Synonyme: Chlorohydra viridis, Chlorohydra viridissima, Hydra viridis

Aussehen:

Die grüne Hydra ist überraschenderweise tatsächlich grün. Hydren sitzen mit ihrem “Fuss” auf Oberflächen. Im Aquarium am liebsten an Scheiben. Der “Kopf” besteht aus dünnen Fangarmen, die meist aufgefächert abstehen. Sie sehen einem im Sturm umgeschlagenen Regenschirm ähnlich, der keine Bespannung mehr hat. In der Mitte der Fangarme sitzt eine Art Mund.

Bei der Größe gibt es Angaben, dass sie bis zu 2cm lang werden kann. Bei mir vorkommende Exemplare haben bisher nicht ansatzweise eine solche Länge erreicht. Ich würde eher von knapp einem Zentimeter ausgehen.

Auf den Fangarmen, die sehr beweglich sind, sitzen viele Nesselkapseln. Diese enthalten ein Gift, dass die Beute lähmt oder auch tötet.

Symbiontische Lebensform

Die grüne Färbung dieser Hydren ist keine eigene Farbe der Tiere, sondern wird von einer, in Symbiose lebender, Alge verursacht. Ob der Begriff Symbiose hier allerdings ganz korrekt ist, oder man nicht lieber von Haltung der Alge durch die Hydren sprechen sollte, ist wahrscheinlich für die meisten Leser völlig unerheblich.

Bei der Alge handelt es sich um Chlorella-Algen. Diese Alge kann im Inneren der Hydra sicher leben und versorgt im Gegenzug die Hydra mit Zucker.

Vermehrung

Wenn aus dem Körper solche Auswüchse zu erkennen sind, bildet sich aus der Hydra bereits ein neues Tier. Dieser “Ableger” wächst an dem Körper zu einer weiteren Hydra mit Fangarmen heran und trennt sich dann ab.

Gefahr für Aquarienbewohner

Die Gefahr für Aquarienbewohner ist minimal. Nur kleinste Fischlarven oder Garnelennachwuchs können überhaupt durch die Hydren gefangen werden. solange also nur wenige der Hydren zu sehen sind, ist das kein Problem. In Zuchtaquarien sieht das schon etwas anders aus.

Besonderheiten & Behandlung

Hydren gelangen häufig mit Lebendfutter, vor allem Wasserflöhen, ins Aquarium.

Eigentlich ist an diesem Tier für uns alles Besonders. Es ist eine gänzlich andere Lebensform als wir gewöhnt sind. Es sieht aus wie eine Pflanze, zählt aber zu den Hohl- und/oder Nesseltieren. Bereits die Symbiose mit der Alge ist eine sehr spezielle Form der Symbiose. Die größte Besonderheit ist aber die relative Unsterblichkeit. Diese Tiere altern nicht und sterben nur durch Einflüsse von außen. Durch die Alge verhungern sie aber auch nicht. Auch ein physischer Schaden beeindruckt sie nicht. Eine Teilung in mehrere kleinste Teile überstehen die Tiere nicht nur, sondern führen zu einer Vermehrung, da aus jedem Teil ein vollständiges Tier erwächst.

Warum sind Hydren dann nicht massenhaft in allen Gewässern vorhanden? Bei den Eigenschaften bekommt man den Eindruck, dass es wahre Superhelden sind. Unsterblich, Nahrung aus sich selbst, und irre Regenerationsfähigkeit. Aber auch Superhelden haben immer einen Schwachpunkt. Bei Hydren ist es das lebensnotwendige Wasser. Wenn das Wasser nicht eine besonders sauber ist, verschwinden die Hydren. Da sie allerdings auch Dauereier bilden können, tauchen sie schnell wieder auf, wenn das Wasser wieder besser wird.

Aber dementsprechend empfindlich sind Hydren auf Wasserbelastungen und -Zusätze. Ein leichtes Aufsalzen reicht oft schon. Allerdings vertragen das auch viele Bewohner nicht so gut. Aber auch zahlreiche andere Wasserzusätze bewirken ein Absterben. Es gibt Berichte über Easy Carbo Behandlungen, einnebeln mit sehr heißem Wasser oder auch Zitronensaft. Zumindest vom Zitronensaft würde ich aber abraten.

Behandlungen mit Wurmmitteln funktionieren wohl ebenfalls, allerdings können diese oft auch andere wirbellose Bewohner, wie Garnelen oder Schnecken, tötet.

Die Behandlung mit Sera Toxivec wird auf der Seite vom Garnelenhaus als Ansatz behandelt: Externer Link: Hydren (Garnelenhaus). Ich habe das jetzt im Aquarium getestet und keinen spürbaren Effekt erzielt. Ich habe die fünffache Dosierung verwendet und die Hydren auch direkt eingenebelt. Sie ziehen sich zwar zurück und bleiben auch eine Zeitlang so, aber spätestens am nächsten morgen sind sie wieder aufgefächert. Noch höhere Dosierungen erscheinen mir zu gefährlich, da Toxivec einen sehr hohen pH-Wert hat.

Als Geheimtipp hat sich mittlerweile der Einsatz von Yoda-Schnecken herumgesprochen. Diese Schnecken fressen Hydren recht effektiv. Hier fehlen mir aber eigene Erfahrungen zu. Außerdem sollte man nie Tiere rein als Problemlöser anschaffen. Auch Fadenfische fressen Hydren. Vor allem junge Fadenfische sollen da sehr effektiv sein. Die Bekämpfung mit anderen Tieren sollte aber immer gut bedacht werden und vor allem sollte man wissen, was man hinterher mit den neuen Tieren macht.

In älterer Literatur findet man noch gänzlich andere Ansätze zur Behandlung, wie Ammoniumnitrat, oder einhängen von Kupferdraht bei gleichzeitiger Zugabe von Kalzium zur Bekämpfung der Giftwirkung. Beide Methoden sind für mich nicht geeignet, da auch für die Bewohner diese Behandlung nicht gefahrlos ist. Vor allem Wirbellose dürfte zumindest die zweite Methode recht sicher ins Nirvana befördern. Beide Methoden habe ich bisher nicht getestet und halte sie auch für nicht empfehlenswert.