Nitrit

Nitrit wird oft als wichtigster Parameter im Aquarium angesehen. In Weichwasser aber oft überschätzt.

Chemisches Zeichen: NO2

Die meisten Aquarianer meinen alles Wichtige über Nitrit für die Aquaristik zu wissen. Überraschenderweise ist eher das Gegenteil der Fall. In den meisten Foren, anderen sozialen Netzwerken, Internetseiten und sogar vermeintlicher Fachliteratur, wird das Thema Nitrit immer wieder falsch wiedergegeben. Auch hier ist allerdings das Handbuch Aquarienwasser von Hanns-J. Krause eine rühmliche Ausnahme.

Bildung und Abbau

Nitrit ist die Zwischenstufe des Stickstoffkreislaufs im Aquarium. Bakterien wandeln Ammoniak (nicht Ammonium!) in Nitrit um. Der Nitritwert wird als Indiz bei einlaufenden Aquarien angesehen. In frisch aufgesetzten Aquarien ist der Nitritwert zunächst nicht nachweisbar, da kaum die entsprechenden Bakterien vorhanden sind. Sobald die Bakterien im Aquarium anfangen sich zu vermehren, beginnt auch die Umwandlung des Ammoniak in Nitrit und der Nitritwert beginnt anzusteigen. Sobald Nitrit vorliegt, beginnt die Vermehrung der Bakterien die Nitrit in Nitrat umwandeln. Irgendwann sind so viele Bakterien vorhanden, dass das Nitrit schneller abgebaut wird als es gebildet wird und der Nitritwert sinkt wieder. Daher ist Nitrit in einem eingelaufenem Aquarium in der Regel nicht nachweisbar. Die Spitze die sich beim An- und Abstieg bildet, nennt man Nitritpeak.

Eingefahrenes Aquarium

Immer wieder wird gesagt, wenn der Nitritpeak vorbei ist, ist das Aquarium eingefahren. Das ist leider etwas übertrieben. Das Aquarium hat dann “nur” die erste Etappe hinter sich. Wer jetzt Bewohner einsetzt bringt eine zusätzliche Quelle für organische Abfallverbindungen ein, also Fischkot und auch mehr Futter. Das führt wieder zu einem Anstieg des Ammoniums und damit des Ammoniaks und Nitrits. Man bekommt also einen zweiten Nitritpeak. Je größer die Menge an eingesetzten Bewohnern desto höher fällt dieser aus. Daher sollte man den Besatz immer nach und nach einsetzen. Damit verteilt sich die steigende Belastung auf einen gewissen Zeitraum und die Bakterien haben Zeit genug sich zu vermehren.

Sofortiger Besatz

Es gibt immer wieder Aquarianer die behaupten, dass eine Einlaufphase ganz ohne Besatz nicht funktionieren kann, da die Bakterien ja organisches Material brauchen um sich überhaupt vermehren zu können. Das ist gleichzeitig richtig und falsch. Natürlich vermehren sich die Bakterien nicht ohne Nahrung. Die Nahrung ist aber in einem frisch eingerichtetem Aquarium normalerweise genug vorhanden. Bereits im Leitungswasser ist eine Menge an organischen Verbindungen gelöst.Mit dem Bodengrund und den Pflanzen bringt man eine Menge organisches Material zusätzlich ein. Ein Besatz in den ersten zwei Wochen ist somit weder notwendig noch sinnvoll. Meist dient dieses Argument daher eher als Ausrede für die eigene Ungeduld. Es bedeutet aber nicht, dass ein sofortiger Besatz nicht möglich ist. Wer weiß was er macht – oder halt mit Glück -, kann ein Aquarium auch sofort besetzen. Es erhöht jedoch massiv das Risiko Tiere zu verlieren oder sich weitere Probleme einzuhandeln. Daher sollte man als verantwortungsvoller Aquarianer nur in Ausnahmefällen von einer soliden Einfahrphase absehen.

PH-Abhängigkeit

Kommen wir jetzt zu einem weiteren Punkt, der in vielen Publikationen nicht erwähnt wird:

Die Bildung von Nitrit ist pH-Wert-abhängig. Da unter pH 6,5 nur minimal Ammoniak vorliegt, kann auch nur minimal Nitrit gebildet werden. In der Regel unter der Nachweisgrenze. Je weicher also das Wasser, desto schwieriger ist es einen Nitritpeak zu erkennen.

Ist also in Weichwasseraquarien eine Einlaufphase nicht notwendig?
Nein, auch hier ist die Einlaufphase sinnvoll. Die Gefahr durch die Menge an giftigem Nitrit ist hier zwar geringer, aber erstens nicht komplett weg und zweitens kommt ein weiterer oft unerwähnter Fakt des Nitrits zum Tragen, der im nächsten Absatz folgt. Der Nitritwert taugt auch nicht mehr als Indikator für das Erkennen der Einlaufphase. Trotzdem muss sich auch in Weichwasseraquarien die Bakterienkultur aufbauen und etablieren.

Giftwirkung

Nitrit ist für Fische und auch Säugetiere bereits in geringer Lösung hochgiftig. Das liegt daran, dass Nitrit mit den eisenhaltigen Enzymen des Hämoglobin reagiert und so den Sauerstofftransport im Blut unterbindet.

Bei pH-Werten unter 6,5 kommt es nicht zu Nitritvergiftungen!
Zum einen sind Nitritanstiege, wie oben bereits geschrieben, bei niedrigen pH-Werten nur in sehr geringem Ausmaß zu befürchten. Entscheidender ist aber, dass bei einem niedrigen pH-Wert ein Teil des Nitrits zu Salpetriger Säure umgewandelt wird. Je niedriger der pH, desto höher der Anteil der Säure. Diese Säure ist noch deutlich giftiger, basiert aber auf dem gleichen Prinzip. Auch hier wird der Sauerstofftransport des Blutes verhindert. Daher kommt es bei niedrigen pH-Werten nicht zu einer Vergiftung durch Nitrit, sondern durch Salpetrige Säure. Praktisch spielt es natürlich keine große Rolle durch welchen Stoff die Vergiftung ausgelöst wird.

Entscheidend ist aber, dass bei niedrigen pH-Werten bereits ein gemessener Nitrit-Wert von 0,1mg/l als gefährlich anzusehen ist, wohingegen der gleiche Messwert bei über pH 7 noch als ungefährlich gilt.

Zusätzlich ist es auch noch Temperaturabhängig. Bei niedrigeren Temperaturen steigt der

Nitrit und Wirbellose

Im Internet wird immer wieder gesagt, dass Wirbellose unempfindlich gegenüber Nitrit sind, da ihre Blutzusammensetzung anders ist. Bei den meisten Wirbellosen erfolgt der Sauerstofftransport im Blut nicht über Hämoglobin, sondern über Hämocyanin. So weit so richtig. Daher ist das Blut von Wirbellosen nicht rot, sondern farblos bis blassblau. Soweit also richtig.

Trotzdem ist Nitrit auch bei Wirbellosen giftig, ebenso wie die Salpetrige Säure. Auch hier wird der Sauerstofftransport im Blut beeinflusst. Ob die Giftwirkung auf Wirbellose größer oder kleiner ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Es dürfte auch bei unterschiedlichen Arten eine unterschiedliche Empfindlichkeit geben. Somit sollte auch bei Wirbellosen eine Einfahrphase eingehalten werden um das Risiko zu minimieren. Die Aussage, dass Garnelen sofort eingesetzt werden können, bewerte ich als gefährlich. Gerade Bienenvarianten sind extrem empfindlich gegenüber erhöhten Ammoniak oder Nitritwerten. Eventuell liegt es auch an der Salpetrigen Säure. An welchem der Werte es schlussendlich liegt, weiß ich nicht, aber dass dort ein Zusammenhang besteht liegt klar auf der Hand. Neocaridina-Arten zeigen dagegen eine deutlich bessere Toleranz. Aber auch bei diesen Garnelen kommt es bei zu hohen Werten zu Ausfällen.

Daher noch einmal mit Ausrufezeichen:

Eine Einlaufphase ist auch bei Wirbellosen unbedingt zu empfehlen! Gerade Einsteiger sind gut beraten die notwendige Geduld aufzubringen.

Nitrit und Ozoniatoren

Viele Garnelenzüchter verwenden Ozoniatoren in ihren Becken. Oft wird gesagt, dass dient der optimalen Sauerstoffsättigung des Wassers und dadurch klappt es besser mit der Zucht. Die Erfahrungen vieler Züchter sind kaum von der Hand zu weisen.

Der Grund liegt allerdings nicht in der besseren Sauerstoffversorgung, die meist über die Luftfilterung eh schon gut ist, sondern daran, dass Ozon (O3) die Oxidation (Bakterielle Umwandlung von Ammoniak zu Nitrit zu Nitrat) unterstützt. Gerade bei kleinen Aquarien kommt es bei Züchtern oft zu starkem Besatz und demzufolge eine erhöhte Belastung der Aquarien. Durch die Ozoniatoren wird eine solche Überbelastung teilweise kompensiert.

Diese Methode hat aber wie immer nicht nur Vorteile. Garnelen die mit Ozon aufwachsen, sind oft empfindlicher wenn sie umgesetzt werden in Aquarien ohne Ozon.
Ozon reizt die Kiemen und bei Fischen auch die Schleimhäute. Die Tiere werden somit empfindlicher und etwaige Problemchen wirken sich stärker aus. Mancher Züchter bringt die Ozoniatoren auch mit Laichpausen bzw. verminderter Vermehrung in Zusammenhang. Der Einsatz will daher gut überlegt sein. In meinen Aquarien ist kein Ozoniator im Einsatz. Wer bei seinen Garnelen bemerkt, dass kaum noch eierlegende Weibchen zu sehen sind, kann mal versuchen den Ozoniator raus zu nehmen.