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Aquaristik und fotografieren

Autor: William S. Burt   - Original: http://stopactionphoto.net/Photoprimer.html

Einführung:

Ich wurde schon unzählige Male gefragt: "Wie machst Du nur solche Bilder?" oder "Wo hast Du das nur gelernt?" Daher möchte ich Euch einige Methoden verraten, wie man gute Bilder macht.
Es ist wichtig zu wissen, dass man für die aquaristische Fotografie eine vernünftige Ausrüstung braucht, wenn man die Sache richtig machen will. Nur mit wenigen Kompaktkameras kann man das erreichen, was ich im folgenden beschreibe. Ich werde trotzdem versuchen, Tipps und Tricks einzubauen, die man auch mit Kompaktkameras ausprobieren kann, aber ich möchte Euch nun in das erste große Geheimnis einweihen – Ihr braucht eigentlich eine digitale Spiegelreflex-Kamera. 

Was aber ist der Unterschied zwischen Euren Bildern und denen von jemand anderem, der zwar die gleiche Ausrüstung hat, aber doch nur Ausschuss produziert? Dazu kann ich nur sagen: Erfahrung und Geduld. Von Haus aus bin ich Hochzeitsfotograf - wenn ich tatsächlich einmal zum Arbeiten komme –, und mein Wissen und Können habe ich mir selbst angeeignet. Das meiste habe ich im Internet gelernt, oder indem ich bessere Fotografen so lange auf die Nerven ging, bis sie mir ihre Berufsgeheimnisse verrieten. Dann ging ich hinaus und übte, übte, übte. Ich übte so viel, dass ich durch diese ganze Überei in die glückliche Lage kam, dass ich arbeiten kann, wenn ich möchte, nicht wenn ich muss.

In der aquaristischen Fotografie stehe ich noch in den Anfängen. Ich habe allerdings den Vorteil, dass ich auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Das hilft mir, die Grundprinzipien zu verstehen, und wie die Dinge funktionieren sollten. Ich hoffe, dass Ihr diese Grundregeln ebenfalls auf dem Effeff beherrscht, wenn ich mit meinen Ausführungen fertig bin. Dann könnt Ihr ebenfalls bessere Bilder machen und diese Fertigkeiten weiter üben.
Also, fangen wir an ...

Grundregeln für jede Kamera:

Das Becken vorbereiten:


Ob man nun eine Hochzeit oder ein Aquarium fotografieren will – zunächst einmal sollte man sich anschauen, wovon genau man nun ein Bild machen möchte, und man sollte sich vergewissern, dass der fotografierte Ausschnitt frei von störenden Einflüssen ist. Bei der aquaristischen Fotografie sollte man die Frontscheibe, die Rückwand und alles dazwischen kritisch anschauen. Am besten führt man die erforderlichen Reinigungsarbeiten etwa zwei Stunden vor der Fotosession durch, damit sich alles wieder beruhigen kann.

Die Frontscheibe: Dieses Stück Glas ist das Fenster, durch das Ihr durchfotografiert. Das heißt, dass diese Scheibe von außen und innen so sauber sein muss, wie es nur geht. Glas ist ein besseres Medium als Acryl, weil die Kamera in Acrylscheiben Unvollkommenheiten aufspüren kann, die Ihr mit bloßem Auge nicht sehen könnt. Wenn Ihr also ein Fotobecken aufstellen wollt, schaut nach der klarsten und am wenigsten verzerrenden Frontscheibe, die Ihr Euch leisten könnt. Glas ist nicht gleich Glas, das könnt Ihr mir glauben.

Die Seitenscheiben: Durch die Seitenscheiben fotografiere ich normalerweise nicht, aber ich würde Euch empfehlen, auch die zu reinigen – man kann schließlich nie wissen.

Die Rückwand: Diese Scheibe wird bei der aquaristischen Fotografie oft vernachlässigt. Sie muss so sauber wie die Frontscheibe sein und vorzugsweise irgendeinen Hintergrund haben. Bei den meisten meiner Aquarien habe ich die Rückwand außen in Satin-Schwarz gestrichen. Das verschafft dem Hintergrund der Fotos Tiefe, wenn auf dem Bild die Beckenrückwand zu sehen ist. Auch wenn man keine Bilder macht, lässt eine schwarze Beckenrückwand das Aquarium größer erscheinen und bringt die Farben der Fische zur Geltung. Was spricht gegen Folien-Rückwände? Man kann sie schon verwenden, aber leider sind sie in 9 von 10 Fällen nicht vollkommen glatt, sondern spiegeln das Blitzlicht in seltsamen Winkeln. Außerdem glänzen sie, und diesen Effekt sollte man auf Bildern vermeiden, wenn man Tiefe will. Es gibt einige Methoden, die Beleuchtung zu reduzieren, um den Eindruck der Tiefe auch ohne Hintergrund zu erhalten, aber das erfordert mehr Übung und Wissen um die Grundtechniken.

Der Raum zwischen den Scheiben:
Was im Becken selbst ist, ist genauso wichtig wie die vier Glasscheiben drumherum. Vergewissert Euch, dass keine Schmutzkrümel auf Euren Pflanzen liegen und dass Eure Fische gesund sind, es sei denn, Ihr versucht, ein Problem zu dokumentieren. Schaut Euren Kies an – wurde er kürzlich gesäubert, liegt Mulm zwischen den Steinen, gibt es Algen oder anderes Gewächs, das von Eurem Motiv ablenken könnte? Überprüft das alles, und dann – überprüft es nochmals ...

Zeit zum Fotografieren:

Die beste Zeit zum Fotografieren ist spät in der Nacht – dafür gibt es nach meiner Erfahrung mehrere Gründe. Erstens, das Umgebungslicht. Ihr wollt so wenig wie möglich Licht von außen, das schließt auch Computermonitore und Fernsehbildschirme als Lichtquellen ein. Ihr solltet auch Eure Fische etwa drei Stunden vor der Fotosession füttern, wobei das variieren kann. Wenn Ihr einen scheuen Fisch habt, kann es schon sein, dass er mit Futter in eine fotogene Position gelockt werden muss. Beim Füttern sollte man sich also nach den Fischen richten. Eine Anregung wäre noch, festes Futter zu benutzen, damit später in der Wassersäule nichts mehr davon herumtreibt, und vor der Reinigung zu füttern.

Die Fotosession vorbereiten:

Ich baue meine Fotoausrüstung immer etwa eine Stunde vor der Session auf. So können sich die Fische schon einmal an die Dinge innerhalb und außerhalb des Beckens gewöhnen. Ich entferne grundsätzlich die Aquarienabdeckung und verschiebe die Beleuchtung, so dass der hintere Bereich des Beckens ausgeleuchtet wird. Die Beckenbeleuchtung sollte nur zum Scharfstellen dienen, man schiebt sie an eine Stelle, wo sie das Becken genügend ausleuchtet, aber den Blitz nicht blockiert. Falls Ihr einen Rucksackfilter ausreichender Größe am Becken betreibt, stellt die Beleuchtung darauf. Lehnt Euch nun zurück und beobachtet die Fische. Ich habe mir angewöhnt, ungefähr alle 10 Minuten ein Weilchen vor dem Becken Platz zu nehmen, um zu sehen, wie es den Fischen geht, aber auch, um sie an meine Anwesenheit zu gewöhnen; das mache ich in der Position, aus der ich später dann auch fotografiere. Und denkt dran, einen Hocker oder Stuhl zu nehmen – Ihr werdet dort eine Weile sitzen....

Noch ein Grund, warum ich nachts fotografiere, neben der offensichtlichen Lichtfrage: Wenn Ihr dunkle, langärmelige Kleidung tragt, nehmen die Fische Eure Bewegungen vor dem Becken weniger deutlich wahr, und sie sind nicht so nervös, als wenn Ihr hell leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.


Kameras und ihre Funktionsweise:

Nun müssen wir uns über die Funktionsweisen der verschiedenen Kameratypen unterhalten, und auch darüber, welche für unsere Zwecke am besten geeignet sind. Ich kann absolut nachvollziehen, dass die meisten Menschen nicht einfach losgehen und kurzerhand 1.000 Euro für eine Kamera mit dem richtigen Objektiv und dem richtigen Blitz ausgeben können, aber die traurige Wahrheit ist, dass das eigentlich nötig wäre, um richtig loszulegen und Profi-Bilder zu machen. Kompaktkameras werden zwar immer besser, aber sie haben eben immer noch ihre Einschränkungen an Stellen, wo eine Spiegelreflex-Kamera einem die Freiheit gibt, das notwendige zu tun.

Daher beschreibe ich jetzt einfach, worauf man bei beiden Kameras achten sollte, wenn und falls man einkaufen gehen müsste.

Kompaktkameras: Kompaktkameras sind von ihrem Design her dafür ausgelegt, dass man auf ein Motiv draufhält und abdrückt. Deswegen besitzen nicht alle Kompaktkameras die Funktionen, die wir brauchen. Hier folgt eine Auflistung von Dingen, auf die man bei einer Kompaktkamera achten sollte (jede Spiegelreflex-Kamera hat diese Funktionen bereits).

  -Makro-Funktion: Die meisten Hersteller nennen diese Funktion Makro, oder Micro, wenn die Kamera eine Nikon ist. Bitte fragt mich nicht, warum bei diesem Hersteller immer alles anders heißt, das ist eben Nikon. Diese Funktion findet sich für gewöhnlich als Knopf oder Einstellscheibe, je nach Kamera. Wenn Ihr nicht genau wisst, wo Ihr suchen sollt, schaut nach einer Blume. Manchmal verbirgt sich diese Funktion auch im Menü. Wenn sie sich nicht schnell finden lässt, handelt es sich nach meiner Erfahrung vermutlich um eine Kamera, die diese Funktion nicht oder nur eingeschränkt besitzt.

  -Manueller Focus: Versichert Euch, dass die Kamera sich manuell fokussieren lässt, und, falls das der Fall ist, dass sich diese Funktion einfach nutzen lässt. Die meisten Kompaktkameras, die sich von Hand scharfstellen lassen, sind extrem schwierig zu bedienen, aber der Autofokus ist einfach zu langsam für unsere Zwecke.

  -Blitz-Abschaltung: Vergewissert Euch, dass der Blitz abgeschaltet werden kann. Es gibt einige Modelle, bei denen das nicht möglich ist ...

  -Manueller Modus: Überzeugt Euch, dass Ihr alles von Hand einstellen könnt. Normalerweise findet sich zu diesem Zweck ein "M" im Menü oder auf der Einstellscheibe.

  -ISO: Dies sollte bei Kompaktkameras bis 800 oder höher gehen.

  -Blende: Man sollte schauen, dass die Blende ein großes Spektrum hat. Bei den meisten Kompaktkameras geht sie nur von f2,8 bis f8, aber manche gehen doch höher hinauf. Je größer die Blendenzahl, desto besser.

  -Blitzschuh: Darauf kann man einen Blitz befestigen; wenn Eure Kompaktkamera mit so etwas ausgestattet ist, ist das ein wirkliches Bonbon, das allerdings nur sehr wenige besitzen. Die meisten, die doch über einen Blitzschuh verfügen, kosten in etwa so viel wie ein Einsteigermodell einer Spiegelreflex-Kamera.


Digitale Spiegelreflex-Kamera (DSLR – Digital Single Lens Reflex): Die Spiegelreflex-Kamera gilt seit jeher als Spielzeug der Profifotografen und derer, die das Hobby "Fotografie" extrem ernst nehmen. Wer braucht schon eine Spiegelreflex-Kamera, wo es doch jetzt die Kompakten gibt? Allerdings wurde dann die Spiegelreflex-Kamera digitalisiert (übrigens, auch analoge Spiegelreflex-Kameras waren damals schon besser als analoge Kompakte), und da die digitalen Spiegelreflex-Kameras qualitativ sehr viel bessere Bilder abliefern als Kompaktkameras, wurden sie zum absoluten Hit in der Szene. Das liegt hauptsächlich an drei Faktoren. Zuerst einmal am Internet, das die Information über den Qualitätsunterschied zwischen Spiegelreflex- und Kompaktkamera sehr schnell massenhaft an den Mann (und die Frau) brachte. Zweitens daran, dass sich viele Leute mit Spiegelreflex-Kamera zum Profifotografen berufen fühlen, weil sie ja schließlich mit Photoshop alles richten können (aber lasst mich nicht davon anfangen), und der dritte Faktor ist sicherlich der Preis. Nach heutigen Maßstäben gelten diese Kameras als durchaus erschwinglich, obwohl der Preis für qualitativ hochwertige Spiegelreflex-Kameras sich nicht so sehr verändert hat, sondern eher gestiegen ist. 


Jede, aber auch jede Spiegelreflex-Kamera auf dem Markt besitzt die obengenannten Merkmale; es gibt aber noch eine wirklich wichtige Funktion, nach der man Ausschau halten sollte, die aber mittlerweile auch recht häufig zu finden ist.

Live View: Live View bedeutet, dass man genau das auf dem Display sieht, was auch die Kamera "sieht". Ich bevorzuge hier Canon, weil ich bei diesen Kameras 5 oder sogar 10 Mal zoomen kann und immer noch sozusagen live sehe, ob mein Motiv noch scharf ist (oder einfach nur mein Motiv).

Was man sonst noch braucht, um gute Bilder zu machen? Die im folgenden aufgelisteten Dinge sind notwendig, egal mit welcher Kamera man arbeitet.

Stativ: Das ist eigentlich selbsterklärend, ich benutze das Stativ allerdings in einer etwas anderen Weise als die meisten anderen...

Licht: Das kann ein externer Blitz sein oder eine Halogenlampe, aber man braucht auf jeden Fall mehr Licht, als eine Aquarienleuchte abgibt. Wenn man sich einen Blitz anschafft, braucht man außerdem noch ein Blitzkabel.

Stuhl oder Hocker: Da man eine Weile sitzen wird ...

Für eine Digital-Spiegelreflex-Kamera braucht man noch ein gutes Makro-Objektiv mit etwa 100 mm, je größer, desto besser. An dieser Stelle sollte man auch nicht anfangen zu sparen, die Linsen sind mit das Wichtigste, was man kaufen kann ...

Jetzt wurde also alles eingekauft, was ihr für notwendig erachtet. Das Becken ist blitzsauber, und nun steht ihr vor einem Haufen elektronischer Geräte und Zubehörteile und fragt euch, wie man wohl am besten beginnt? Damit wollen wir uns jetzt auseinandersetzen – wie ihr eure ganzen neuen Spielsachen benutzen und am sinnvollsten einsetzen könnt.


So wird der Bildbereich vorbereitet

Hier wollen wir darüber sprechen, wie man die beste Beleuchtung, den vorteilhaftesten Winkel und die brilliantesten Farben im Bild zustande bekommt.

Beleuchtung:

Ein Becken kann mit einer einzelnen Lichtquelle oder einem einzelnen Blitz von oben beleuchtet werden, das ist die erste Möglichkeit. Wie man hier sehen kann...
Ansicht von oben:

Mit Blitz von oben
Seitenansicht:
Seitenansicht Ein Blitz

Nun wird’s ein wenig komplizierter... Wenn Ihr euch noch erinnert, weiter oben führte ich an, dass man ein Stativ braucht, und dass ich es etwas anders benutze als der Durchschnitts-Fotograf. Hier zeige ich euch jetzt, wie genau ich das gemeint habe...


Stativnutzung

An dieser Stelle höre ich auch immer das Aufstöhnen der Leute – wie ihr seht, steht die Kamera nämlich überhaupt nicht auf einem Stativ...

Nach der Meinung der allermeisten geht das ja überhaupt nicht – für scharfe, klare Bilder braucht man zwingend ein Stativ... Falsch. Wenn man genug Licht hat, kann man Tiere sogar in der Bewegung fotografieren. Versucht, den Blitz im vorderen Bereich des Beckens anzubringen, so wie in der Seitenansicht oben gezeigt. Dadurch erreicht man mehr als einen Effekt. Durch je weniger Wasser man fotografiert, desto weniger Verzerrung hat man, und desto dunkler wirkt der Hintergrund. Der einzige Zweck des Blitzes ist es, genügend Licht zur Verfügung zu stellen, so dass ein Motiv in einem einzigen hellen Lichtschein abgelichtet werden kann, obwohl es sich bewegt. Deswegen erscheint der Hintergrund natürlich dunkler, da weniger Zeit bleibt, weiter entfernte Dinge abzubilden.

Über die eigentlichen Kamera- und Blitzeinstellungen reden wir später im Detail, aber eins sollte man wissen: Die Fotografie ist keine exakte Wissenschaft, also – probiert Dinge einfach aus. Wie ihr auf dem Bild seht, habe ich eine Bounce Card oder Reflektorkarte über dem Blitz montiert und den Blitz selbst ziemlich hoch und seitlich versetzt angebracht. Ich experimentierte zu der Zeit mit verschiedenen Beleuchtungseffekten. Ich würde auch vorschlagen, dass ihr euch Musselin besorgt, mit dem ihr euch Diffusoren für die Beleuchtung machen könnt. Das ist recht praktisch, wenn ihr allerdings richtig Geld ausgeben wollt, kauft Softboxen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, eine konstant leuchtende Lampe anstatt eines Blitzes zu verwenden. Das kann eine einfache Werkstattlampe mit einer 100-Watt-Birne sein oder bis hin zu einer teuren Halogen-Metalldampflampe gehen. Das Hauptproblem mit dieser Beleuchtungsart ist, dass sich bewegende Motive zum Verschwimmen neigen, da man hier nicht so viel Licht zur Verfügung hat wie mit einem Blitz. Wenn man aber keinen externen Blitz an der Kamera anschließen kann, ist diese Lösung noch die beste. Man sollte dabei allerdings nie die Temperatur im Aquarium aus den Augen verlieren, da die Lampe sie ziemlich in die Höhe treiben kann. Bei dieser Beleuchtungsart wird die Lampe so mittig wie möglich über dem Aquarium befestigt. Woran ihr sie aufhängt, bleibt euch überlassen, da ihr diese Lampe schließlich nicht wie einen Blitz immer mal wieder in eine andere Position bringen könnt...

Wenn man es sich leisten kann, sollte man einen kabellosen Blitz wählen, der vereinfacht das Leben schon immens. Wer mit einer Kompaktkamera arbeitet, sollte den kamerainternen Blitz ausschalten.

Die nächste Art der Beleuchtung ist schon etwas komplizierter. Man verwendet hierzu entweder drei konstant leuchtende Lampen oder zwei Lampen und einen Blitz, was ich empfehlen würde. Und so sollte das ganze aufgebaut werden...
Ansicht von oben:

Beleuchtung mit drei konstanten Leuchten

Die ersten beiden im 45°-Winkel vor dem Becken,
die dritte hängt darüber.

Drei Lichtquellen Ansicht oben

Seitenansicht:

Seitenansicht

 

Wie man hier sieht, sollten die beiden Leuchten vor dem Becken etwa in einem 45°-Winkel zum Glas stehen, und ihre Strahlen sollten sich in dem Punkt treffen, wo man fotografieren will. Eine der Leuchten sollte leicht nach oben, die andere leicht nach unten zeigen, zum Grund komme ich gleich. Das dritte Licht hängt über dem Becken wie weiter oben beschrieben, das verändert sich also nicht. Beide Lampen vor dem Aquarium brauchen einen Diffusor. Zu diesem Zweck kann man einfach ein Stück Musselin mit Klebeband über der Lampenöffnung anbringen. Behaltet diese Konstruktion ebenso im Auge wie euer Aquarium, beides sollte sich nicht überhitzen. Der Blitz ist übrigens die Lampe über dem Becken.

Noch ein paar Bemerkungen zu den verschiedenen Beleuchtungsarten. Wenn man einen einzelnen Blitz über dem Becken benutzt, sind das Resultat solche Bilder, wie man sie auf meiner Website findet. Mit dieser Beleuchtung arbeite ich jetzt, und ich finde, dass sie das realistischste Abbild erzeugt. So würde man den Fisch auch beim Tauchen im Biotop sehen, da das Sonnenlicht in dem Fall ja auch von oben kommt. Wenn die Beleuchtung mit drei Lichtquellen richtig gemacht wird, kommen dabei atemberaubende Bilder heraus. Diese Beleuchtungsart wird von vielen Top-Profis genutzt, und sie bringen damit Erstaunliches zu Stande. Das ganze Geheimnis dabei ist, dass die beiden Lampen vor dem Becken nur ergänzenden Charakter haben und schwächer sowie weniger hell sein sollten als die Lichtquelle über dem Aquarium. Die, die nach oben zeigt, sollte die schwächste der drei sein. Man kann auch drei Blitze benutzen, um das gleiche zu erreichen. Das ist die beste Methode für ein Beleuchtungssystem mit drei Lichtquellen, da man so die volle Kontrolle über die Ausleuchtung hat.

Gut, jetzt ist also die Ausleuchtung gewährleistet – schauen wir uns also an, wie man all das benutzt, und noch ein paar andere Kleinigkeiten.

Was ich an dieser Stelle zuerst behandeln möchte, ist der Winkel, in dem man fotografiert. Man sollte immer – und ich meine wirklich immer – geradeaus durchs Glas fotografieren. Nur wenn man einen in die Kamera integrierten Blitz hat, muss man in einem Winkel fotografieren, damit es keine Reflexe gibt. Wenn man über einen externen Blitz verfügt, fotografiert man immer gerade nach vorn, und zwar aus dem folgenden Grund. Das Wasser lenkt Lichtstrahlen ab und kann daher auch beeinflussen, ob man ein klares, scharfes Bild bekommt, auf dem die Dimensionen stimmen. Habt ihr je ein Bild gemacht, auf dem der Fisch länger oder dicker aussieht, als er in Wirklichkeit ist? Das liegt daran, dass ihr nicht nur in einem Winkel durch das Glas fotografiert, sondern auch in einem Winkel durch das Wasser.

PS: Falls man nur den internen Blitz zur Verfügung hat, hier sind zwei Tipps. Erstens sollte ein Stück Krepp-Papier – weiß natürlich – mit Klebeband über dem Blitz befestigt werden, das dämpft das Licht ein wenig. Zweitens sollte man in einem Winkel durchs Glas fotografieren, der aber nur so groß sein sollte, dass der Blitz nicht reflektiert wird. Wenn man das ein wenig geübt hat, bekommt man schnell ein Gefühl dafür, in welchem Winkel man die besten Ergebnisse erzielt.

 

Nun gut, weiter zu den Kameraeinstellungen, und was ich anstelle, damit ich tatsächlich ein Bild bekomme. Zunächst noch einmal: Fotografiert nie im Winkel durch die Scheibe, es sei denn, ihr habt einen internen Blitz und müsst im Winkel fotografieren, um Reflexionen zu vermeiden. Eine Ausnahme muss man auch machen, wenn man das Motiv absolut nicht anders vor die Linse bekommt. Der Grund: Wenn man durch die Scheibe fotografiert, wird das Bild immer verzerrt dargestellt, und wenn man dem nun auch noch einen Winkel hinzufügt, wird dieser Effekt noch vergrößert. Die Motive werden unscharf und in der Breite oder Länge verzerrt.

Die Kameraeinstellungen:

Als ersten Schritt sollte man – soweit möglich – die Kamera auf manuelle Bedienung umstellen und den internen Blitz deaktivieren.

Jetzt wird die ISO-Zahl so niedrig eingestellt wie möglich – bei mir steht sie auf auf 100, tiefer komme ich bei meiner Kamera nicht. Falls man keinen externen Blitz hat, muss man gegenteilig vorgehen und sie höher einstellen – das bedeutet aber ein höheres Rauschen und körnigere Bilder.

Nun stellt man die Blitzsynchronisierung so hoch ein wie möglich, bei mir ist der höchste Wert 1/250. Dieser Wert ist je nach Kamera-Hersteller verschieden und hängt außerdem auch davon ab, welchen Blitz man besitzt.

Die Belichtungszeit für Garnelen und andere langsamere Tiere stelle ich normalerweise auf 1/100 ein, schnellere Tiere brauchen 1/250.

Ich beginne bei einer Blende von etwa f8,0 und gehe damit höher oder tiefer, je nachdem, ob ich mehr Licht, Geschwindigkeit oder Tiefenschärfe will. Das ist die Einstellung, mit der ihr hauptsächlich arbeiten werdet.

Das ist jetzt einmal eine grobe Übersicht über meine Kameraeinstellungen. Ihr werdet mit eurer Kamera einiges ausprobieren müssen, um herauszufinden, welche Einstellungen bei euch am besten funktionieren.

Nachdem das alles eingestellt ist, schalten wir auf manuellen Fokus um und fokussieren ein festes Objekt im Becken, das in etwa so tief liegt wie die Zone, die später vom Blitz erhellt wird und in der wir dann fotografieren wollen.

Nun schaltet man die Direktansicht (Live View) ein und schaut auf das Display. Bewegt die Kamera, um das Motiv scharf zu bekommen, versucht nie, auf ein sich bewegendes Motiv scharf zu stellen. Deshalb benutze ich auch kein Stativ für meine Kamera, weil es viel zu umständlich wäre, mit einer großen Metall-/Karbonmasse an der Kamera zu fokussieren.

Das war es in Kürze zusammengefasst. Jetzt liegt es an euch: Übt und habt Spaß dabei!

 

 

 
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